Rezension: Eric-Emmanuel Schmitt: Odysseus aus Bagdad

Text von der Buchrückseite:

„Ich heisse Saad Saad. Mein Name bedeutet auf Arabisch Hoffnung Hoffnung und auf Englisch Traurig Traurig.“

Saad möchte Bagdad hinter sich lassen, das Chaos der Stadt, die Armut seiner Familie. Er will nach Europa, frei sein, eine Zukunft haben. Aber wie überwindet man Grenzen, ohne einen Dinar in der Tasche? Wie trotzt ein moderner Odysseus den Stürmen, überlebt Schiffbrüche, entkommt den Drogenhändlern, dem Gesang der Sirenen, dem Gefängniswächter und einäugigen Zyklopen?

Eric-Emmanuel Schmitt erzählt eine höchst aktuelle Geschichte als Heldenepos unserer Zeit: gewalttätig, komisch, tragisch.

Dieser Odysseus „ist einer der gleichnishaften Helden unserer Welt. Und Schmitt ist ein Philosoph der Gegenwart, der es versteht, das Tragische mit dem Komischen zu verbinden.“ Le Parisien

„Schmitt wandelt auf den Spuren Homers, um uns eine brandaktuelle Geschichte zu erzählen. Er erzählt eine Fabel, eine beispielhafte Geschichte, die zum Nachdenken anregt, ohne erhobenen Zeigefinger.“ Le Soir

Meine Meinung dazu: 

Das Buch habe ich mir gekauft, da ich vom Autor bereits das Buch Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran gelesen habe. Nebst dem interessieren mich solche Berichte immer wieder. Bevor ich das Buch angefangen habe, konnte ich mir nicht vorstellen wie die Geschichte wird, anhand des Klappentextes hätte ich eine Erzählung in Tagebuchform erwartet. Ich wurde extrem positiv überrascht und habe das Buch gleich in zwei Tagen verschlungen. Die Geschichte wird fliessend und gespickt mit lustigen Erinnerungen geschrieben. Das Buch liest sich wirklich sehr eifach und man fühlt mit Saad Saad bei jedem seiner Schritte mit. Für mich erhält das Buch fünf von fünf Punkten.

kleiner Ausschnitt, der mir gut gefiel:

Einige Male musste ich wirklich laut lachen, darum muss ich unbedingt einen kleinen Ausschnitt mit euch teilen.

…“Mein Vater trug durch seine Art zu sprechen dazu bei, unsere Ordnung noch weiter durcheinanderzubringen. Er war Bibliothekar, ein anspruchsvoller Leser und ein gebildeter, verträumter Mensch und hatte aus den Büchern die Manie angenommen, sich stets in einer gewählten Sprache auszudrücken; dem Beispiel arabischen Gelehrten folgend, die ganz verrückt nach Gedichten waren, zog er es vor, sich in höheren Sprachgefilden zu bewegen, dort, wo die Nacht „der Mantel der Dunkelheit“ heisst, „der sich auf den Kosmos herabsenkt“, ein Brot „die knusprige Vermählung des Mehles mit dem Wasser“, Milch „Honig der Wiederkäuer“ und ein Kuhfladen „Kuchen der Weiden“ genannt wird. Folglich sprach er von seinem Vater als dem „Autor seiner Tage“, seine Ehefrau, unsere Mutter war „meine Quelle der Fruchtbarkeit“ und seine Nachkommen „Fleisch von meinem Fleisch, Blut von meinem Blut, Schweiss der Sterne“. Sobald meine Schwestern und ich laufen konnten, benahmen wir uns wie ganz normale kleine Kinder, während mein Vater unser Tun mit ausgefallenen Worten kommentiere: Wir „stärkten“ uns, anstatt zu essen, anstatt Pipi zu machen „benetzten wir den Staub der Wege“; wenn wir Richtgung Toilette verschwanden, „gehorchten wir dem Ruf der Natur“. Nur ergaben seine blumigen Umschreibungen keine klaren Mitteilungen, und wenn seine ersten, umständlichen Wendungen bei seinen Gesprächspartnern – vor allem bei uns, seinen Nachkommen – mal wieder auf erstaunte Gesichter stiessen, dann verlor der Patriarch Saad die Geduld, wurde ärgerlich und kochte vor Wut angesichts von derartigem Banausentum. Dann ging er dazu über, seine Gedanken in die allergröbsten Worte zu kleiden – wenn er es schon mit Eseln zu tun hatte, dann wollte er sie auch so ansprechen. Und so ging er von „Das tangiert mich nicht“ zu „Ist mir scheissegal“ über, von „Versuch mich nicht, mich einzuwickeln, spassiger Schlingel“ zu „Verarsch mich nicht, Dumpfbacke!“. Die gebräuchlichen Worte waren meinem Vater schlicht unbekannt; er verwendete nur die beiden Extreme der Sprache, er bewegte sich ausschliesslich auf ihren am weitesten auseinanderliegenden Ebenen und sprang zwischen gehobener Sprache und Vulgärsprache hin und her.

allgemeine Informationen: 

Autor: Eric-Emmanuel Schmitt
Seitenzahl: 300
Verlag: Fischer
Preis: CHF 14.90 / EUR 9.99

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